»Du räudige
Katze, mach, dass du fort kommst! Hier
gibt es nichts für dich, also
verschwinde endlich,
bevor ich dich als Köder beim Walfischfang
einsetze!«, schallt es mir nach, bringe mich mit eingezogenem
Schwanz und unter lautem Fauchen in
Sicherheit.
Als ich kurz nicht aufpasse, renne ich dabei der
Wirtstochter Pauline vor die Füße,
deren Vater Ahus
schon in dritter Generation das Gasthaus am Hafen betreibt,
und ein Treffpunkt für alle
Einwohner ist.
Aufgeschreckt will ich zuerst zurückweichen, aber sie
sieht mich recht verständnisvoll an,
bückt sich zu
mir nieder und streichelt mich ganz sanft. Einige
Zeit verharre ich, vergesse die
schmerzhafte Erfahrung
am Fischstand, schnurre zufrieden.
Dieses Mädchen weiß, wie man sich mein Vertrauen
verdient, und lieb ist sie auch
noch. »Was hat der böse Kerl da
gerade nur mit dir gemacht?«,
spricht sie berührt zu mir,
vernehme dabei ihre feine,
samtene Stimme, welche ihren guten Charakter ergänzt. Ich
miaue noch einmal vor Schmerz auf, um ihr
mein unverdientes Leid zu klagen, doch Pauline nimmt
mich vorsichtig auf den Arm, wandert
mit ihrer
Hand über meinen Rücken, mustert mich
dann sorgsam, ob ich auch nicht
allzu schwer verletzt bin.
Sie lächelt mich kurz an,
fasst dann einen Entschluss, während
ihre Tonlage eine positive Stimmung
annimmt. »Dich nehme ich erst einmal mit zu mir nach Hause. Da
kannst du dich neben dem Ofen erholen.«
Also geht sie, mit mir auf dem Arm, zum
Wirtshaus ihres Vaters, tritt durch eine
feine Holztür in den Schankraum ein, welcher zu
dieser Zeit völlig leer ist. Sie sieht sich um, ob jemand im
Haus ist, setzt mich dann vorsichtig neben dem Ofen in
einer Ecke ab.
»Bleibe schön da liegen!«, ermahnt sie mich mit
erhobenem Zeigefinger. »Ich schau mal
in der Küche nach, ob ich etwas Leckeres für
dich finde.«
Wie lieb sie ist, denke ich bei mir, als ich ihr
nachschaue, ganz anders als die Menschen
zuvor, die ich getroffen habe. Sie kümmert sich so gut um
mich, und es ist so schön, wenn sie mich am Hals
krault – und jetzt gibt es auch noch etwas zu Fressen!
Doch kaum ist sie fort, ertönen Geräusche auf der Treppe,
welche nach oben ins Obergeschoss
führen, werden lauter, und plötzlich steht der Wirt Ahus vor
mir. Er ist ein recht bulliger und stattlicher Mann, seine Ärmel
hochgekrempelt, trägt eine Schürze um die
Taille- und ein kleines Rumfass auf
seiner Schulter, welches er in den Schankraum trägt. Als
er mich aber sieht, lässt er
letzteres fallen, schreit den ganzen Raum zusammen.
»Pauline! Wie kommt das Katzenvieh in mein Wirtshaus!
Hast du sie angeschleppt?!«
Das Mädchen hört die Stimme ihres Vaters sofort,
kommt eilig zurückgelaufen, während
ich vor Angst zittere, fürchte, wieder hinausgeworfen
zu werden – aber Pauline nimmt mich schnell in den Arm, hebt mich
hoch, sieht dann zum strengen
Vater, der sie misstrauisch ansieht.
»Ja, Vater«, beginnt sie etwas
eingeschüchtert. »Der böse Mensch vom Fischstand hat
sie getreten, und sie hat
fürchterlich geschrieen!